Die Eiderdaune ist die Daune von der Eiderente (Somateria mollissima). Diese ist an den Küsten der nordischen Meere beheimatet, beispielsweise in Skandinavien, Island oder in Schleswig-Holstein bzw. Eiderstedt – letztere Halbinsel zeigt eine Namensübereinstimmung. Allein daran lässt sich der Eiderente und ihrem Produkt bereits eine hohe Bedeutung beimessen. Wie Gänsedaunen werden Eiderdaunen zur Füllung von Kissen und Decken verwendet.

gewöhnliche Eiderente male female

Die Eiderente: Links das Weibchen und rechts das Männchen


Die Eiderente: Ein biologischer Steckbrief

Wer die Eiderdaune und ihre Popularität verstehen will, sollte sich die Eiderente einmal genauer ansehen. Eiderenten bzw. die Erpel unterscheiden sich von den bekannten Stockenten in erster Linie durch die Farbgebung des Brutkleids in Schwarz/Weiß und ihren etwas größeren Körper.

Beschreibung des Erpels

Die Unterseite des Brutkleids des Erpels ist schwarz, ebenso der obere Teil des Kopfs. Die Körperoberseite wiederum ist weiß gefärbt, während an der Brust ein rosa-rötlicher Schimmer zu sehen ist. Das Gefieder am Nacken weißt wiederum eine moosgrüne Färbung auf. Dieses Federkleid trägt der Erpel nur zur Brut und Balz. Ansonsten ist das Gefieder dunkelbraun, wobei man stellenweise weiße Partien erkennen kann.

Eidererpel

Der Eidererpel

So sieht das Weibchen aus

Die Eiderente wiederum ist ganzjährig in ein dunkelbraunes bis gelbbraunes Gefieder gekleidet. Am Kopf lassen sich schwarze Akzente erkennen. Die Färbung ist der von Weibchen anderer Entenarten sehr ähnlich, weshalb man sie allein auf Grund der Farbe nicht ganz so gut auseinanderhalten könnte – wären da nicht wie weiteren sehr charakteristischen Merkmale der Eiderente:

Eiderente Daunen

Die weibliche Eiderente

Gemeinsame Merkmale

Neben der Schwarz-Weiß Farbgebung und der durchschnittlichen Körpergröße von 58 cm ist ein weiteres Merkmal der keilförmige Kopf und die allgemein kräftige Gestalt, an der man die Ente auch gut im Flug erkennen kann. Die Ente braucht das zum Tauchen, da im Wasser deutlich höhere Kräfte wirken als in der Luft. Der keilförmige Schnabel wiederum ist nötig, um ausreichend Kraft aufbringen zu können, Muscheln zu pflücken.

Lebensweise und Nahrung

Daunen der EiderentenDaunen der EiderentenEs wurde bereits angeschnitten, dass Eiderenten tauchen können. Tatsächlich handelt es sich um eine Tauchente mit sehr ausgeprägter Tauchfähigkeit – das lässt wie bereits angesprochen der Körperbau vermuten. Sie lebt von Muscheln, Krebsen und Schnecken. Sie sucht nach ihrer Nahrung in einer Wassertiefe von bis zu 6 Metern – üblicherweise. Tatsächlich wurden auch schon Tauchgänge in einer Tiefe von 50 Metern beobachtet(!).

Außerdem frisst sie Fische, womit sie sich erneut stark von den meisten anderen Enten unterscheidet. Je nach Lebensraum variiert die Nahrung etwas. An der Nordseeküste sind es größtenteils die Miesmuscheln der großen Muschelbänke. Die Muscheln fressen die Eiderenten mitsamt ihrer Schale. Erst im Kaumagen wird die Muschel aufgebrochen, die Schalentrümmer werden dann wie das Gewölle bei der Eule als Speiballen ausgeschieden. Auch das aufgenommene Salz wird ausgeschieden, jedoch über Salzdrüsen am Kopf.

Lebensraum der Eiderente

Die Eiderente ist in den nördlichen Küstenbereichen über den gesamten Globus, ausschließlich eines Großteil Russlands, beheimatet. Sie brütet nach Süden bis zu den gemäßigten Klimazonen und damit bis ins nordwestliche Frankreich. Nach Norden reicht das Brutgebiet bis an die Arktis. Insgesamt wird der Bestand auf etwa 2,6 bis 3,6 Millionen Tiere geschätzt, die Art ist zudem als nicht gefährdet eingestuft.

Wirtschaftliche Nutzung und Geschichte

Diese Beliebtheit spiegelt sich natürlich auch in der Geschichte wider. So galten Eiderdaunen tatsächlich lange Zeit als das beste Material für Füllungen von Bettdecken. Die kommerzielle Nutzung der Eiderdaune bzw. der Eiderente geht auf Jahre vor dem 10. Jahrhundert zurück. Auf Grund mangelnder Schutzmechanismen wie Tierschutz oder Artenschutz war damals wohl eher von Ausbeutung zu sprechen, denn damals wurden nicht wie heute üblich nur die Nester verwendet. Große wirtschaftliche Bedeutung hat die Daune dabei vor allem in Island – bis Mitte des 20. Jhd. zählten die Eiderdaunen mit zu den wichtigsten Exportartikeln Islands.


Nester sind Quelle der Daunen

Richtig gehört: Die Daunen der Eiderente werden heutzutage normalerweise nicht gerupft, sondern gesammelt. Damit lassen sich Eiderdaunen im Einklang mit Natur- und Tierschutzgesetzen herstellen und verkaufen. Dies steht im Gegensatz zu anderen Daunen, speziell was die Gänsedaunen betrifft, wo immer wieder neue Debatten um den Lebendrupf entbrennen.

Nest einer Eider


Die Besonderheit von Eiderdaunen

Das eben vorgestellte Wissen um die Lebensweise und die Körperform der Eiderente reicht bereits aus, um Schlüsse auf die Daunen zu ziehen und zu sehen, warum diese so populär sind: Eiderenten sind herausragende Tauchenten und haben eine korpulente Form. Letztere wird ihnen auch durch das Federkleid gegeben, mit den Daunen darunter: Diese schützen den Körper an Land wie bei jedem anderen Vogel auch vor den kalten Außentemperaturen. Das Federkleid wiederum schützt vor Wasser und anderen Umwelteinflüssen.

Sehr gute Wärmeisolierung

Eiderdaunen Bettdecke

Eiderdaunen werden auf Grund der guten Wäremeisolierung für Daunendecken verwendet

Die Besonderheit gegenüber anderen Entenarten liegt bei der Eiderdaune darin, dass sie eine sehr hohe Fähigkeit zur Isolierung von Wärme besitzt. Der Grund ist, dass die Daunen höheren Anforderungen ausgesetzt sind und auch bei bis zu einer Minute unter Wasser ausreichend warm geben müssen. Genau diese Eigenschaft macht die Eiderdaune im Vergleich zu den gegenüber Gänsedaunen allgemein eher als zweitwertig geltenden Entendaunen so beliebt.

Hohe Bauschkraft

Die Eiderdaunen stützen das Federkleid. Unter Wasser gilt dies in besonderem Maße, da der Wasserdruck hoch ist und von außen auf die Federn bzw. auf die tauchende Eiderente drückt. Eiderdaunen haben folglich eine natürlicherweise hohe Bauschkraft bzw. Rückstellkraft.

Zusammenhalt durch Widerhaken

Eiderdaunen sind letztlich kleine Flusen, die aus winzigen langen Filamenten bestehen. Jedes ist mit Widerhaken ausgestattet. Die einzelnen Daunen verhaken sich ineinander – und auch mit umliegendem Gestrüpp oder Gras. Die Nester der Eiderente, die aus den Daunen gemacht sind, fliegen so nicht einfach bei einem Windstoß auseinander, sondern halten zusammen.

Sehr leicht: Decken mit Eiderdaunen zählen zu den leichtesten

In Bezug auf die Wärmeleistung sind Eiderdaunen Bettdecken auch deshalb so beliebt, weil sie so leicht sind bzw. weil sie viel weniger Eiderdaunen als Gänsedaunen brauchen. Das sorgt dafür, dass man sich von der Decke nachts nicht eingeengt fühlt. Wer eine dicke und schwere Winterdecke braucht, kann diese eventuell durch eine schlanke Eiderdaunendecke ersetzen.

Herstellung der Daunen: Reinigung der Nester

EiderdaunenVon einer Herstellung ist deshalb die Rede, weil das einfache Einsammeln der etwa 20 Gramm schweren Nester noch nicht ausreicht. Die Nester sind verunreinigt und die Daunen müssen aufwändig gereinigt werden. Am Ende bleiben etwa 1-2 Gramm Ausbeute an Eiderdaunen pro Nest. Der größte Kostenfaktor liegt damit in der Reinigung bzw. in der geringen Ausbeute. Für ein Kilogramm handelsfähiger Eiderdaunen braucht man damit etwa 700 einzelne Nester.

Weltproduktion: Nur etwa 2000 kg Eiderdaunen pro Jahr

Der Grund für den hohen Preis der Eiderdaune ist nicht nur die aufwändige Reinigung bzw. Herstellung der Daunen. Auch ihre Seltenheit ist ein Grund für stark schwankende und insbesondere hohe Preise am Weltmarkt. Auf Grund der Naturverbundenheit des Produkts und der damit im Zusammenhang stehenden nicht steuerbaren Einflüsse schwankt die Produktion pro Jahr zwischen 1200 und 2500 kg. Das reicht pro Jahr für wenige Tausend Bettdecken. Kein Wunder also, dass die Eiderdaunen bzw. die Bettdecken mit Eiderdaunenfüllung so teuer sind: Die Nachfrage steht in einem sehr hohen Verhältnis zum Angebot.

Gänsedaunen im Vergleich mit Eiderdaunen

Tatsächlich sind Gänsedaunen ebenfalls ein sehr beliebter Füllstoff für Bettdecken. Doch obwohl Entendaunen allgemein als härter und weniger wertvoll eingestuft werden, ist die Daune der Eiderente eine Ausnahme: Kein anderes (natürliches) Material isoliert so gut Wärme wie die Eiderdaune, insbesondere in Bezug auf das geringe Gewicht.

Das ist auch der Grund, warum Füllungen aus Eiderdaunen bei gleichem Volumen nicht so viel wiegen wie bei Gänsedaunen. Oder umgekehrt: Um dieselbe Isolationswirkung zu erzielen, braucht man weniger Eiderdaunen, als Gänsedaunen – und zwar nur etwa die Hälfte davon. Davon abgesehen muss man sich nicht um moralische Bedenken wie den Lebendrupf kümmern, der bei Gänsedaunen praktisch nicht absolut ausschließbar ist.

Eiderdaunen auch in Jacken und Schlafsäcken

Natürlich macht man sich die hervorragenden Eigenschaften der Eiderdaune in vielen Kleidungsstücken und natürlich auch bei der Bettwäsche zu Nutze. Es gibt auch Jacken, Handschuhe oder Schlafsäcke, die mit Eiderdaunen gefüllt sind. Besonders an sehr kalten Tagen kommt man so um voluminöse und schwere Winterkleidung umhin.

So teuer sind Eiderdaunen

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Eine Eiderdaunenfüllung für eine Bettdecke kostet im Falle von Winterdecken etwa 3000 Euro. Bei Sommerdecken sind 1000 Euro fällig. Winterjacken mit Eiderdaunen kosten etwa 500 Euro und Schlafsäcke ebenfalls 1000 Euro – alles mit einer 100-prozentigen Eiderdaunenfüllung gerechnet. Im Vergleich zu einer 40 Euro teuren Polyesterdecke ist das natürlich deutlich teurer.

Zusammenfassung: Eiderdaunen als hochwertigste Daunen der Welt

Abschließend lässt sich festmachen, dass Eiderdaunen die hochwertigsten Daunen der Welt sind. Sie sind sehr teuer: Eine Winterdecke kostet etwa 3000 Euro, bei einer 100%-igen Eiderdaunenfüllung. Dafür sind Eiderdaunen was ihre Wärmeleistung bezogen auf das Gewicht angeht die unangefochtene Nummer 1 unter allen (natürlichen) und für Bettdecken geeigneten Materialien. Das sorgt für ein geringes Gewicht des Endprodukts und damit für mehr Komfort – ob der einem ein solch hoher Preis wert ist? Bedenkt man, dass man fast ein Drittel seines Lebens im Bett verbringt, fällt die Antwort eigentlich recht einfach.

Quellen und weitere Informationen: